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Zwei Sozialisierungsfragen

Posted in Archiv Karl Roche on Januar 12, 2009 by archivkr

Verlag der Syndikalistischen Föderation Hamburg

Berlin, 1919

  • 1. Wer soll sozialisieren?
  • 2. Ist die zusammengebrochene Wirtschaft für die Sozialisierung reif?

Wer soll sozialisieren?

Die November-Revolution hat den offensichtlichen Beweis erbracht, daß die deutsche Arbeiterklasse den Mut nicht finden kann, die Revolution bis zum Sozialismus durchzuführen. Vom sozialistischen Standpunkte aus betrachtet befindet sich die deutsche Arbeiterklasse in ihrer Mehrheit in einem bedauernswerten Zustand. Sie ist in politische Parteien gespalten, die alle den Wortsozialismus üben, aber den Tatsozialismus verleugnen; sie kann sich weder vom bürgerlichen Denken noch von der sklavischen Voreingenommenheit befreien, die Lohnarbeit sei etwas unabänderlich Gegebenes, etwas Natürliches, dem sie nie entrinnen könne. Die politischen Parteien hypnotisieren die Arbeiter mit Schlagwörtern. Die eine Partei verspricht, wenn möglich, immer noch mehr wie die andere. So wird das politische Denken des Arbeiters zerstückt und in einem Nebel von unklaren Vorstellungen gehalten. Das ist der leider so furchtstrotzende Urgrund aller Uneinigkeit in der Arbeiterklasse.

Die Klassenorganisationen der Arbeiter sind die sozialdemokratische Partei, die zentralorganisierten Gewerkschaften und die mit der Hamburger Großeinkaufsgesellschaft verbundenen Genossenschaften. Die Partei sagt selbst von sich, daß sie die berufene Führerin der Arbeiter sei, die den Sozialismus erkämpfen werden. Die zentralen Gewerkschaften und Genossenschaften rühmen von sich, den Arbeiter die wirtschaftliche Organisation zu geben, die Produktion und Austausch zu übernehmen, den Kapitalismus abzulösen können. Die Partei wollte ihr Ziel erreichen durch die Eroberung der politischen Macht. Die Gewerkschaften wollten den Tageskampf um die Verbesserung der Lohnarbeit führen, dabei die „konstitutionelle Fabrik“ vom Unternehmer abhandeln und auf diese leichte Art den Unternehmer aus seinem Betrieb schließlich herauszudrängen. Die Genossenschaften wollten die Arbeitergroschen zusammensparen, damit die sozialistische Produktion beginnen und den Kapitalismus niederkonkurrieren. Das alles haben die Arbeiter geglaubt. Es war ihnen zum Evangelium geworden. Und nun, wie es ernst wird, wie die Revolution da ist und gebieterisch die Vollfüllung jener Versprechen fordert, nun kommt das grausame Erwachen. Die drei großen Heersäulen des organisierten Arbeitsvolkes erklären einmütig und mit freier Stirne: Wir können nicht! Wir können nicht sozialisieren!

Die führenden Genossen mögen den besten Willen und die ehrlichsten Absichten gehsbt haben, auf den Wegen, die sie als richtig erkannten, das hehre Ziel des Sozialismus zu erreichen. Aber heute, nach sechs Monaten Revolution, ist es augenfällig erwiesen, daß sie sich getäuscht haben. Sie geben ja selbst zu, das Kampfspiel verloren zu haben, wenn sie nun im kritischen Augenblick sagen, wir können nicht. Die Sozialdemokratie hat eine fünfzigjährige Tätigkeit hinter sich. Die zentralen Gewerkschaften blühten in großen Zahlen seit drei Jahrzehnten und in derselben Zeit nahmen die Genossenschaften einen schönen Aufstieg. Und auf der Höhe ihrer Macht ereilte sie der Weltkrieg. Sie schlossen den „Burgfrieden“ mit den Feinden der Arbeiterklasse. Sie halfen die nationalen Leidenschaften schüren, sagten: der Tod auf dem Schlachtfelde sei auch für den Arbeiter patriotische Pflicht. Wenn man auch schaudert, das von den „Klassenkampforganisationen“ feststellen zu müssen: es sind eben nackte Tatsachen. Der Zusammenbruch kam.

Jetzt auf einmal ist die Arbeiterklasse nicht „reif“, selbst sozialisieren zu können. Jetzt könne man bei der Sozialisierung auf die Mitwirkung bürgerlicher Kreise nicht verzichten. Jetzt müsse manmit den Feinden des werktätigen Volkes, mit der Bourgeoisie eine Regierungsgemeinschaft, die „Demokratie“ bilden, um die Sozilisierung in die Wege leiten zu können usw.

Als weiteres Hindernis gegen die Sozialisierung wird vorgeschützt: der Kapitalismus liege in Trümmern. Auf diesem Trümmerfelde könne kein Sozialismus erblühen. Erst müsse der Kapitalismus wieder auf der Höhe seiner alten Macht sein und überquellenden Reichtum für sich aus der Lohnarbeit herausgeschunden haben. Erst der dem Proletariate gestohlene Überfluß ermögliche den Sozialismus ….

Es muß ein netter Sozialismus sein, der sich in den antisozialistischen Schädeln der sozialdemokratischen Führung eingenistet hat! Es soll doch gerade der Sozialismus die gesellschaftliche Organisation der Arbeit und des Verbrauchs sein, die ein nie geahntes Maß von Gütern und Glück über die Menschheit schüttet. Es soll der Gesellschaftszustand sein, der die Arbeit ergiebig machen wird, wie nie zuvor. Der Sozialismus ist doch produktiv und verwaltungstechnisch dem Kapitalismus weit, weit überlegen. Ist dem so – und ohne Zweifel ist der Sozialismus die höhere, wenn nicht die höchste Steigerung der Ergiebigkeit nutzbringender menschlicher Tätigkeit – dann muß man doch logischerweise die zerschlagene Wirtschaft mit sozialistischen Arbeitsmethoden gesunden und nicht mit kapitalistischen. Eine verfehlte Weltordnung brach zusammen und man willeine neue nach der alten fehlerhaften struktur errrchten!

Mit solchen Scheingründen wider die Sozialisierung erklärt die sozialdemokratische Arbeiterbewegung ihren inneren Zusammenbruch. Das wird auch der Teil der Arbeiterschaft begreifen müssen, dessen Denken von doktrinären Parteilehren eingeengt ist. Und damit ist es ohne weiteres klar, daß weder die Sozialdemokartie, noch eine sozialdemokratische Regierung oder gar eine Koalitionsregierung, wie wir sie gegenwärtig (1. Mai 1919) in Deutschland haben, fähig wäre, so zu sozialisieren, daß daraus die sozialistische Gesellschaftsordnung erwachsen könnte.

Der Fundamentalirrtum, an dem die Arbeiterbewegung leidet, und der die soziale Revolution nicht aufkommen läßt, ist, daß die Sozialdemokratie allgemein für sozialistisch gehalten wird. Dafür gibt sie sich aus. Sie ist es aber nicht. Und sie kann es nicht sein. Sogar ihr Name schließt den Sozialismus aus. Als „Demokratie“ muß sie die politische Gemeinschaft mit den besitzenden Klassen, mit den Todfeinden der Arbeiterklasse aufrechterhalten. Es wäre doch ein Ding der Unmöglichkeit, daß sie die Ausbeutung mit Einwilligung der Ausbeuter beseitigen könnte! Die Sozialdemokratie ist eine bürgerliche Reformpartei. Als solche war sie immer tätig, und als solche muß sie für die soziale Revolution versagen. Über den Staatskapitalismus kann die Partei nicht hinaus. Auch der Staatssozialismus ist unmöglich, denn Staat und Sozialismus schließt einander aus. Der Staat ist die zusammengefaßte Obrigkeit über die Lohnarbeit. Er sorgt für die Arbeiter insoweit, daß sie fortarbeiten können, Lohnsklavennachwuchs aufziehen und dabei ruhige Untertanen bleiben. Der Sozialismus organisiert die freiwillige Arbeit. Der Zwang fällt fort und damit sind die Obliegenheiten des Staates erledigt. Der Sozialismus bedarf des Staates nicht; der Sozialismus kennt nur die Demokratie der werktätig Gleichberechtigung. Die Kommune ist die politische Organisation der sozialistischen Arbeits- und Austauschweise. Der Sozialismus stellt die Arbeitsfähigen in die nutzbringende Produktion. Militär, Handel, Bureaukratie sind dann nicht mehr. Die Arbeit wird zur Last, die Arbeitszeit kann außerordentlich begrenzt werden. Die sozialistische Erziehung bildet die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Menschen harmonisch aus. Das Regieren hört auf. Das Verwalten wird Ehrenpflicht, wie jede andere nutzbringende Arbeit. Minister, Parlamentarier, zünftige Richter, Berufssoldaten usw. usw. werden als Schreckbilder einer überwundenen Zeit höchstens noch als Verpuppte im Panoptikum gezeigt. Der Staate gehört der Geschichte an. –

Kann die Sozialdemokratie, können politische Parteien nicht sozialisieren, wer soll es denn tun? Die Beantwortung dieser Frage ist dem gesunden Menschenverstand außerordentlich leicht! Was soll sozialisiert werden? Die Arbeitsmittel sollen sozialisiert werden. Das ist der Grund und Boden, die Rohstoffe, das sind die Bergwerke, die Fabriken, die Verkehrsmittel. Steht man der Sozialisierung ohne politische Voreingenommenheit gegenüber, so ist es ohne weiteres selbstverständlich, daß sie nicht Politikern oder Verwaltungsorganen anvertraut werden darf, die mit der Gütererzeugung und –verteilung nur mittelbar zu tun haben. Die Sozialisierung muß von den Arbeitern durchgeführt werden. Die Arbeiter erklären die Arbeitsmittel für das Eigentum der Allgemeinheit; sie behalten die Arbeitsmittel in ihrer Verwaltung, sie schaffen nach bestem Können nicht nur für private Interessen, sondern für das allgemeine Wohlergehen. Die Sozialisierung liegt im ureigensten Interesse der Arbeiter, sie ist die Befreiung der Arbeit aus dem Joche der Lohnknechtschaft durch die Arbeiter selbst.

Aber da hören wir die Mießmacher des Sozialismus wieder schreien: „Die Arbeiter sind ja für die Leitung der Produktion gar nicht reif! Merkwürdig: Den Reichspräsidenten in der neugebackenen Republik macht ein früherer Sattler, den Ministerpräsidenten mimt ein ehemaliger Schriftsetzer; jedoch – selbst der unansehnlichste Handwerksbetrieb soll nicht von Arbeitern geleitet werden können?! O, wie wenig Vertrauen haben doch die Herren Politiker zur werktätigen Menschheit! Die Kopfarbeiter werden nicht mittun, sagt man. Die Kopfarbeiter werden mittun, wenn die vom Kapitalismus künstlich errichteten Schranken zwischen geistigen und manuellen Arbeitern gefallen sind. Der Einheitslohn, die Einheitsbehandlung, die Möglichkeit, an den vorhandenen Kulturgütern gleichen Anteil zu haben, die Sicherheit, nicht mehr vor seinem schnodderigen Chef kriechen zu müssen, das Bewußtsein der persönlichen Unabhängigkeit und Freiheit wird den Lohnsklaven im Stehkragen ihre Menschenwürde wiedergeben. Die sozialistischen Organisationen der Arbeit wird im technischen und kaufmännischen „Angestellten“ das sozialistische Bewußtsein begründen. Die Werbekraft des Tatsozialismus wird im Menschengeiste Wunderdinge vollbringen. Und außerdem: man gebe doch den Arbeiterräten das weiteste Betätigungsfeld in den Betrieben. Der praktische Anschauungsunterricht wird sie in kurzer Zeit herranreifen lassen.Eins ist allerdings nicht reif für die „Sozialisierung“. Das sind die von der Partei paralisierten Hirne der Ebert, Scheidemann und Genossen. Sie haben der Revolution seit Jahrzehnten im voraus den genauen Weg vorgeschrieben. Keinen Strich daneben soll das kraftstrotzende Weib im feuerwallenden Lockenhaar wandeln. Tut sie es dennoch …. nun, dann knattern eben die Maschinengewehre des Herrn Noske.

Die Arbeiter bedürfen einer unabweisbaren Voraussetzung für die Reife, selbst sozialisieren zu können. Das ist die proletarische Einigkeit. Das ist die Organisation in revolutionären Gewerkschaften. Der alte Parteihader muß verstummen. Gegensätze der Weltanschauung müssen schweigen. Die Sozialisierung soll den Sozialismus vorbereiten. Den Sozialismus, der es jedem gestatten wird, nach seiner Fasson selig zu werden.

II.

Ist die zusammengebrochene Wirtschaft für die Sozialisierung reif?

Ob der Trümmerhaufen der durch den verlorenen Krieg zusammengebrochenen kapitalistischen Wirtschaft wieder in die Höhe gebracht werden kann, indem man die Arbeitsmittel sozialisiert, das hängt davon ab, wie die Sozialisierung angefaßt wird. Sozialisierung, wie sie von der Sozialdemokratie gedacht ist, müßte den vollendeten Zusammenbruch herbeiführen. Schließlich sind die Ebert-Scheidemann-Wissel keine Dummköpfe. Sie wissen es, daß sie nicht herbeiführen können, was die Sozialdemokratie den Arbeitern ein halbes Jahrhundert hindurch versprochen hat. Darum reden sie von Sozialisierung, hüten sich aber, sie ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Wie die Sozialisierung der Arbeitsmittel nur von Arbeitern durchgeführt werden kann, so muß auch bei der Durchführung gänzlich das Interesse der Arbeitenden entscheidend sein. Die Sozialisierung ist doch der einzig mögliche Weg zum Sozialismus. Der Sozialismus ist nur möglich durch und für die Arbeitenden. Also dürfen bei der Sozialisierung nicht die Interessen Nichtarbeitender: Kapitalisten und Kapitalistengruppen oder deren Interessenvertretungen: politische Parteien, berücksichtigt werden. Die Sozialdemokratie aber will sozialisieren, indem sie den Sozialismus auf den Kapitalismus pfropft. Beides soll zusammenwachsen. Die Interessen der nicht produktiv Tätigen und der Arbeitenden sollen gleichermaßen berücksichgt werden. Wie sollte das wohl enden? Die Sozialisierung wird vorgenommen zum Zwecke des Allgemeinnutzens. Die Nichtarbeitenden: Kapitalisten, Rentennießer belasten den Allgemeinnutzen. Nicht nur das. Ihre Interessen laufen den Allgeneininteressen entgegen. Sie werden einfach Sabot und passive Resistenz üben, um ihren Drohnenanteil zu erhöhen. Weil sie im Besitze von Kapital bleiben, werden sie leicht Erfolg haben. Ein solcher Sozialismus ist aber nicht möglich; er ist ein Phantasiegebilde sozialdemokratischer Halbheit.

Der Sozialisierung muß die Beschlagnahme der Banken durch das diktatorische Proletariat voraufgehen. Sonst bleibt jede Sozialisierung in der Luft hängen. Der Kreisumlauf des Geldes und der Tauschwerte muß unter die Aufsicht der revolutionsexekutive gestellt werden. Dann ist die Sozialisierung im Prinzip und materiell vollzogen.

Andererseits müssen bei der „Sozialisierung“im sozialdemokratischen Sinne die Arbeiter ebenso mit der passiven Resistenz antworten, gegen welche selbst Ludendorffsche Militärstrategie ohnmächtig ist. Mit welchem Rechte sollen denn die bisherigen Ausbeuter und Unterdrücker entschädigt werden? Sonst werden doch die kleinen Diebe, die aus Armut und Hunger stahlen, ins Gefängnis gesteckt. Und die großen sollen Prämien dafür erhalten? Welche Regierung will es wagen, bei der Sozialisierung das alte unmoralische Gesellschaftsprinzip der Bereicherung auf Kosten der Arbeit anderer anzuwenden! Eine Arbeiterschaft, die sich das gefallen ließe, gibt es nun nicht mehr in Deutschland.

Bleibt das Lohnsystem bestehen, so wird die Folge das ständige Anschwellen „unerfüllbarer“ Lohnforderungen und Arbeitsbedingungen sein. Dazu wird möglichst wenig geleistet werden. Die geborstenen Fundamente des Kapitalismus werden nach und nach verkrümeln, zerfressen von dem Gift syndikalistischer Klassenkampfwaffen. Zum Schluß wird man dann dem Proletariate die Diktatur überlassen müssen. Dann ist der „reine“ Sozialismus die einzige Rettung.

Die Arbeiter haben nicht nur das sittliche Recht des mit Gewaltmitteln brutal Unterdrückten, sondern auch die revolutionäre Klassenpflicht, durch passive Resistenz die „Sozialisierung“ der Scheidemänner, die nicht Sozialismus von Kapitalismus unterscheiden können, ihrer öffentlichen Macht zu entkleiden.

In gewohnter, parteipriesterlicher Art wird den Arbeitern die Anwendung der „Vernunft“ heiß empfohlen. Und die Demagogen erhalten zur Antwort: Ueber die Vernunft des Lasttieres ist die deutsche Arbeiterklasse nunmehr hinaus.

Wird die Sozialisierung von den Arbeitenden selbst vorgenommen, dann kann sie nur nach sozialistischen Grundsätzen geschehen. Die Arbeiter werden ein arbeitsloses Einkommen nicht weiterbestehen lassen, sie werden keine neuen Nichtstuer- und Herrscherschichten aufkommen lassen. Die gleiche Arbeitspflicht und das gleiche Recht an Verbrauch und Genuß sind die unabänderlichen Grundprinzipien einer sozialistischen Ordnung. Ist die Diktatur des Proletariats errichtet, hat die Revolutionsexekutive alle wirtschaftliche und politische Gewalt, dann ist damit auch die Sozialisierung der Arbeitsmittel vollzogen. Dann gilt die Sozialisierung nicht mehr den toten Werkzeugen und Stoffen, sondern der lebendigen Arbeit. Und wie das unter den gegenwärtigen erschwerten Umständen zu machen ist, darüber müßte sich eigentlich heute jeder Arbeiter klar werden, denn bei der sozialistischen Arbeit bedarf es des Denkens und überlegten Handelns jedes einzelnen.

Die Sozialstrategen von Weimar träumen immer noch von einer vergangegen Herrlichkeit, die für die Arbeiter die Hölle auf Erden war – sie träumen vom Wiederaufbau einer deutschen Großindustrie. Vier Jahre verlorener Weltkrieg, sechs Monate Bürgerkrieg sind ihnen gar nichts. Daß das Kriegsziel der Entente war, die deutsche Großindustrie zu eleminieren, die deutschen Schiffe von den Meeren verschwinden zu lassen, daß sie dieses Ziel restlos erreichte und durch die Friedensbedingungen voll ausnützen wird, will der „wissenschaftlichen“ Sozialdemokratie noch immer nicht einleuchten. Die Friedensbedingungen lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die Wirtschaftskräfte des Westens für Deutschland verloren sind. Die Entente wird natürlich nicht beide Rheinufer annektieren, aber sie wird sich den wirtschaftlichen Nutzen jener reichen Landstriche sichern. Damit wird Deutschland mindestens zur Hälfte wieder Agrarvolk.

Alle vernünftigen Deutschen sollten die durch den Krieg geschaffenen Tatsachen auf sich wirken lassen und die Romantik „vergangener Zeiten“ endlich ausgeträumt haben. Das zur Macht gekommene Proletariat hat demnach zunächst die Landarbeit sozialistisch zu organisieren, schon aus dem Grunde, weil wir ja vor allem der Lebensmittel bedürfen. Feld, Wald, Wiese dürfen in keines Menschen Eigentum gelassen oder neu verteilt werden. Sie bleiben Eigentum des deutschen Volkes. Landarbeitergenossenschaften vollziehen die Arbeit. Wäre das Proletariat am 9. November wirklich zur Macht gelangt, hätte es sofort begonnen, die Arbeit besonders beim Ackerbau sozialistisch zu organisieren, dann hätten wir innerhalb von drei Monaten eine gute Ernte zu erwarten. Der Acker ist vorhanden, die Arbeiter warten auf nutzbringende Tätigkeit. Es fehlt … woran mangelt es? Es fehlen Sozialisten, welche das Proletariat zur Ergreifung der Macht führen, daß es die Arbeit sozialistisch organisieren könne. Statt dessen ist die Arbeiterklasse gezwungen, durch Entziehung der Arbeitsleistung, durch weitere Verwirrung der kümmerlichen Wirtschaft eine Regierung zu beseitigen, die nicht sozialisieren will und kann, weil sie durch die famose Demokratie mit den Klassen verbunden ist, die vor der Sozialisierung beseitigt werden müssen. Die Revolution muß weitergeführt werden, weiter muß das ächzende Wirtschaftsleben bestreikt werden, weiter muß das Proletariat hungern! Das bringt nun einmal der revolutionäre Kampf mit sich. Die Verantwortung dafür trägt die Sozialdemokratie, die sich fälschlich als sozialistisch anpreist.

Mittlerweile hat das Proletariat alle Kampfmittel anzuwenden, die zum Ziele führen können. Zu ihnen gehört, neben der direkten Aktion der Streiks, die sozialistische Aufklärung. Die arbeitslosen, revolutionären Sozialisten müssen aus den Stadtteilen heraus und inn der Landwirtschaft Arbeit nehmen. Inmitten des landprolatriats haben sie ohne Unterlaß zu wühlen. Die Landarbeiter denken politisch natürlicher als die Masse der Industriearbeiter, denn sie wurden noch nicht in dem erschreckenden Maße wie die Städter durch sozialdemokratische Doktrinen verwirrt. Es gilt, die Landarbeiter gegen die habsüchtigen Großgrundbesitzer wie gegen die antikollektivistischen Bauernschädel mobil zu machen. Großgrundbesitzer und Bauern sind an unserem Ernährungsmittelelend unmittelbar schuld. Durch Sabot, dadurch, daß sie die Nahrungsmittel zurückhalten und lieber verderben lassen, daß sie ihren „Patriotismus“ nur gegen hohe Bezahlung betätigen, daß sie mit den Lebensmittelschiebern den sozialen Wucher in der verbrecherischten Weise organisieren, haben sie sich den schimpflichen Hyänenruhm erworben, die Totengräber der deutschen Volkskraft zu sein! Arbeiter, merkt es euch! So führen die Patentpatrioten ihren Klassenkampf. Darunter leidet das Landproletariat ebenso hart, wie das städtische. Haben die Volkswirtschaftler beim Aufbau des neuen Deutschland zuerst die Landwirtschaft zu sozialisieren, so ist im übrigen die Sozialisierung durch die Kommunalisierung der Arbeitsmittel und des Warenaustausches zu erledigen. Das Wort Kommunismus bedeutet dem verbissenen Sozialdemokraten der leibhaftige; er nimmt es lieber nicht in den Mund. Die Kommune ersetzt ja den Staat. Und welcher Sozialdemokrat wollte auf den Staat, dieser Gottheit aller Arbeiterausbeutung, verzichten! In der Kommune regiert niemand, die bisherigen Regierer müssen sich nutzbar betätigen. Nur Verwaltungsarbeit ist zu leisten. Dafür bedarf es nicht der zukünftigen Politiker. Das machen die Arbeitenden selbst. Die wirtschaftliche Verbindung zwischen den Kommunen und Arbeitsgemeinschaften wird einer – sagen wir Genossenschaft der Genossenschaften übertragen. Das wäre ein Gebilde, wie es heute die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine darstellt. Diese hätte auch die „nationalen“ Aufgaben zu erfüllen, wie den Verkehr, das Geldwesen einheitlich durchzuführen und den Auslandshandel zu leiten.

Die „Sozialisierung“ ist also keine gar so schwere Lösung. Sie wird sogar ganz wesentlich durch das zusammengebrochene Wirtschaftssystem erleichtert, denn eine in der Blüte stehende kapitalistische Wirtschaft hätte bedeutend größere Privatinteressen hinter sich. Aber freilich: nur von Sozialisten ist sie durchführbar.

Bis diese zur Macht gelangen, ist die gewaltsame Revolution notwendig. Nicht die Gewalt der Maschinengewehre und Gasbomben, denn damit unterliegt das Proletariat dem staatlich organisierten Militarismus. Es ist die wirtschaftliche Gewalt der Arbeitsentziehung, welche die Arbeiterklasse vermöge revolutionärer Gewerkschaften anzuwenden hat.

Aber die „sozialistischen“ Angstmeier erzählen den Arbeitern, die Sozialisierung hänge von der Zustimmung der Entente ab. Diese werde nur eine solche Wirtschaftsweise für Deutschland gestatten, die ihr die Einsackung einer sehr hohen Kriegsentschädigung ermöglicht. Die Arbeiter dürfen darauf gelassen antworten: „Die Entente kann uns den Buckel runterrutschen.“ Ganz abgesehen davon, daß es bei der Fortdauer des Lohnsystems den Arbeitern sehr gleichgültig sein muß, ob der ihnen vorenthaltene Teil ihres Arbeitsproduktes in deutschen, französischen oder sonst welchen Banken gespeichert wird – die Entente wird nur soviel Einfluß im neuen Deutschland haben, wird nur soviel Güter herausschlagen, als der revolutionäre Wille des deutschen Proletariats nicht in der Lage ist, es verhindern zu können. Wegen der Schulden, die eine verbrecherische Regierung hinterlassen hat, werden sich die Arbeiter nicht die Köpfe zerbrechen. Je unverschämter die Entente ihre „Friedensbedingungen“ in die Höhe schraubt, desto besser wird ihr Reinfall einmal aussehen. Denn erhalten wird sie bestimmt nicht den zehnten Teil dessen, was sie fordert. Dann wird man „uns“ wieder blockieren, vielleicht auch Truppen sogar bis Berlin und Königsberg werfen! Jawohl, das wird man. Aber schlimmer wie die Garden Noskes werden die „Feinde“ auch nicht gegen den Sozialismus wüten können. Und wenn eine neue Blockade unsere Hungerkur verlängert, dann wird die wirtschaftspolitische Orientierung von selbst kommen, die längst hätte geschehen müssen, nämlich die Verbindung mit Rußland. Was die „wissenschaftliche“ Sozialdemokratie nicht begreifen kann, die Fortdauer der Revolution wird es ihr einpaucken.

Der Einheitslohn und Arbeitersolidarität

Posted in Archiv Karl Roche on Januar 12, 2009 by archivkr

Verlag „Der Syndikalist“, Berlin

Ostern 1919

Die deutsche Arbeiterklasse war für die Novemberrevolution nicht geistig vorbereitet. Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung hatte die Aufgabe, die Arbeiterklasse für die soziale Revolution reif zu machen. Sowohl die Partei wie auch die zentralen Gewerkschaften haben für diesen Zweck versagt. Sie parlamentierten mit den herrschenden Klassen, sie schufen mit ihnen gemeinsam Gesetze für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ausbeutung. Die Gewerkschaften schlossen Lohnverträge mit dem Unternehmertum ab und erkannten damit die Rechtmäßigkeit der Lohnarbeit an. Damit führten sie die Arbeiter zum bürgerlichen Denken, anstatt sie zum revolutionären, sozialistischen Denken zu erziehen.

Der Kapitalismus entwickelte sich zum Imperialismus. Der Zusammenprall der nationalen kapitalistischen Interessen wurde unvermeidlich. Der Weltkrieg kam. Er fand in allen kriegführenden Länder die Lohnsklaven auf der Seite ihrer wirklichen Feinde: der Ausbeuter. Die Arbeiterführer schlossen „Burgfrieden“ mit den Todfeinden des Sozialismus. Der Ausbruch der größten Unordnung, welche die Welt je gesehen, fand die Arbeiter ordnungsliebend im Sinne des Massenmordes. Sie ließen das furchtbarste Unglück über sich ergehen, mordeten einander, zerstörten die Kulturen.

In diesem furchtbaren kapitalistischen Ringen um die Herrschaft auf der Erde mußte das kapitalistische Wirtschaftssystem ins Wanken geraten. In den unterliegenden Staaten mußte die Wirtschaft zusammenbrechen. Das geschah in Rußland, Deutschland, Österreich-Ungar und den Balkanstaaten. Hier brach als Folge der militärischen Niederlage die festeste Stütze des Kapitalismus: der Militarismus selbst zusammen. Der Kadavergehorsam schlug um in Haß gegen die Peiniger: die Offiziere. Die Soldaten begannen die Revolution.

Der historische Moment zur sozialen Revolution war für die Lohnarbeiter gekommen. Und die Arbeiterklasse versagte: sie mußte versagen, weil ihr Denken nicht dafür vorbereitet war.

Nur in Rußland hatte die Revolution sofortigen sozialen Erfolg. Hier hatte sozialdemokratische Parteidoktrin die Arbeiterhirne nur wenig verwirren können. Dort siegte die Arbeit. Der Rätegedanke wurde zur Tat, die Räterepublik konnte geschaffen werden.

Sie wird sich durchsetzen, denn es ist eine natürliche Notwendigkeit, daß die Arbeit in der Gesellschaft herrscht und nicht die Faulheit.

Auch Deutschland muß eine Räterepublik werden. Solange wird der Bürgerkrieg toben. Die soziale Revolution muß gegen das Bürgertum, gegen die sozialdemokratische Führung und gegen den bürgerlich denkenden Teil der Arbeiter geführt werden. Was die Sozialdemokratie versäumte, was die Arbeiterklasse in der Novemberrevolution mit leichteren Mitteln nicht erreichen konnte, das muß nun mit den Kampfmitteln der direkten Aktion durchgesetzt werden. Daß Arbeiter gegen Arbeiter um den Sozialismus kämpfen müssen, ist fürchterlich. Aber es ist unabänderlich, wenn es nicht gelingt, das Zauberwort Solidarität in die Mehrheit der Arbeiterhirne hineinzuhämmern.

Müssen wir uns noch einmal – noch für eine Übergangszeit – mit der Lohnarbeit abfinden, so haben wir an das Unternehmertum, an den Staat wirtschaftliche Forderungen zu stellen, die auf dem Wege zum Sozialismus liegen. Und eine Forderung von eminent sozialistischer Bedeutung ist der Einheitslohn.

Weiterlesen – das ganze Dokument ► einheitslohn.pdf

Der Einheitslohn ist ein Stück Sozialismus: er ist sowohl geeignet, die Hindernisse, welche der Arbeitersolidarität im Wege stehen, wegzuräumen, wie auch die werktätige Menschheit für die sozialistische Gleichheit vorzubereiten. Der Einheitslohn ist auch zugleich ein Prüfstein des sozialistischen Denkens. Die Propaganda dieses Gedankens ist Erziehungsarbeit für den Sozialismus. Eingewurzelten Kastengeist und Klassendünkel beseitigt diese Propaganda.

Die neuere Wirtschaftsgeschichte kennt keine freie und freiwillige produktive Arbeitsleistung. Im Altertum waren die Arbeitenden persönliches Eigentum der Grundbesitzer oder Pächter. Oft waren auch die Pächter selbst Sklaven. Im Mittelalter waren die Hörigen sachliches Eigentum; sie wechselten ihre Herren mit der Scholle, die sie bebauten. Sklaverei, Leibeigenschaft und Hörigkeit wurden mit dem Naturallohn abgefunden.

Der moderne Kapitalismus muß unbeschränkte Bewegungsfreiheit haben, die Arbeiter abstoßen und heranziehen können, wie gerade das Profitinteresse es erfordert. Darum ist der Proletarier persönlich frei. Auch in dem Sinne frei, daß der Unternehmer gar keine Verpflichtungen mehr gegen ihn hat, wenn er nur den Grundlohn zahlt.

Die Form der Entlohnung hat sich geändert; die Sklaverei ist geblieben. Immer waren die Produktionsmittel (Acker, Fabriken, Maschinen, Rohstoffe, Lebensmittel) das Privateigentum einiger Weniger. Immer waren die Massen bei Strafe des Verhungerns gezwungen, für die Drohnen zu fronden.

Naive Seelen mögen das Wort Lohn von Belohnung ableiten, daraus schließen, daß dem Arbeiter für seine der Gesellschaft geleistete Wohltat Anerkennung und Dankbarkeit gezollt wird. Das wäre ein recht gefährlicher Irrtum. Der Unternehmer zahlt nicht mehr, wie er muß. Er mag persönlich ein ganz vortrefflicher Mensch sein, jedoch sentimentaler Arbeiterfreund darf er nicht sein. Er läßt arbeiten, um neues Kapital anzuhäufen. Und er hält sich für den rechtmäßigen Besitzer des ganzen von „seinen“ Arbeitern erzeugten Gutes. Es ist ein feststehender Rechtsgrundsatz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, daß der Arbeiter für seine Arbeitsleistung nur entschädigt zu werden braucht. Nur der Schaden, den er durch die Anwendung von Hirn- und Knochenmark erleidet, soll ihm ersetzt werden. Der Lohn soll nicht höher sein, als daß er die Ausgaben für den Lebensunterhalt bestreiten kann. Auch die Arbeitskraft ist ja nur Ware. Der Lohn darf nie eine Höhe erreichen, daß die Arbeiterklasse des Zwanges ledig würde, gegen Lohn arbeiten zu müssen.

Der Hunger ist die Peitsche, die das Kapital auf den Arbeiter sausen läßt, damit er bis zum Zusammenbrechen weiterarbeite, die Uneinigkeit der Arbeiterschaft mit sich selbst ist der Skorpion, mit dem sie gepeinigt wird, damit sie sich nicht empöre. Die Geißel Uneinigkeit muß der Unternehmer trachten, möglichst zähe un einschneidend zu erhalten, denn sie ist ihm ein wichtiges wichtiges Mittel, sich vor der Empörung der Arbeiter zu sichern, sein Herrentum über die Arbeiterschaft zu behaupten. Und dazu dient ihm die Abstufung der Löhne. Der Klassenlohn läßt die Solidarität der Arbeiter nicht hochkommen.

Und doch ist die Klassensolidarität das Haupterfordernis für ihren Tageskampf um bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse, wie für die Beseitigung der Lohnsklaverei überhaupt durch Abschaffung des kapitalistischen Wirtschaftssystems und Errichtung des sozialistischen Kommunismus. Wie der einzelne Unternehmer oder der Betrieb, so ist auch der Arbeiter oder die Arbeiterschaft eines Betriebes an dem kapitalistischem Ganzen gebunden, das im Staat seine Machtmittel über die Arbeiterklasse zusammenfaßt. Die direkt wirkenden Machtmittel des Staates über die Arbeiter sind: Militär, Bürokratie, Gerichte, Polizei, Gefängnisse; die indirekt wirkenden sind: Kirche, Schule, Erziehung.

Der sich seiner Menschenwürde bewußt werdende Arbeiter erkennt im Spiegel der Kultur, die er mit geschaffen, sich als Sklaven und sucht das Joch abzuschütteln. Er will als Arbeiter nicht nur persönlich frei, sondern auch sozial gleich und vollwertig sein. Er kommt zu der weiteren Erkenntnis, daß die Ursachen seiner Unterdrückung und Ausbeutung in der widernatürlichen Bewertung der Arbeit liegen. Er erfährt, daß es die Gesellschaftsordnung ist, die ihn zur Sklaverei verdammt, die eine himmelschreiende Unordnung darstellt dadurch, daß die Faulheit und die nicht Werte schaffende Arbeit über den Fleiß und die Produktivität nicht nur gebieten und herrschen, sondern auch Lebensgenüsse haben, an die der Arbeiter gar nicht denken darf. So wird der Arbeiter Sozialist. Er will einen Gesellschaftszustand der natürlichen Ordnung herbeiführen. Die werteschaffende Arbeit soll der Souverän und der höchste Adel sein. Der Begriff Arbeiter soll verschwinden; es soll jeder dazu Fähige arbeiten und jeder Arbeitende soll gleichwertiger Mensch sein. Es gilt eine ganze Welt von Unrecht und Gewalt zu beseitigen, es gilt, die Mehrheit der Arbeiter zum sozialistischen Denken zu führen, es gilt ein einigendes Band des Wollens und Handelns um die ganze Menschheit zu schlingen. Und dieses Band heißt Solidarität.

Staat und Unternehmertum bieten alle ihre Machtmittel auf, die Arbeitersolidarität zu verhindern. Darum teilen sie die Arbeiter in Klassen, zahlen ihnen unterschiedliche Löhne, behandeln sie nach verschiedenen Grundsätzen. Künstlich teilen sie die Lohnsklaven in Hand- und Kopfarbeiter, in Festbesoldete und Diätare, in Tüchtige und Mindertüchtige, in Gelernte, Angelernte und Ungelernte. In der praktischen Kalkulation der Gesamtarbeitsleistung eines Betriebes aber kommen diese Unterschiede gar nicht in Frage. Die Lohnkosten müssen auf eine Durchschnittslinie gebracht werden, soll die Berechnung den Tatsachen entsprechen. Und die niedrigeren Löhne dienen dazu, diese Durchschnittslinie herunterzudrücken.

Zwischen Kopf- und Handarbeit machen Staat und Unternehmertum eine Trennungslinie. Wenn möglich eine Kluft, welche die Arbeitersolidarität nicht überbrücken kann. Bisher geschah das leider mit gutem Erfolge für die Ausbeuter. Schon die Schule stellt sich in deren Dienst.

Ohnehin entstammen die Kopfarbeiter Volksschichten, die der Arbeiterbewegung feindlich gegenüberstehen. Es sind die halbproletarisierten Mittelschichten, denen der Kapitalismus die wirtschaftliche Selbständigkeit genommen, denen der Glaube an eine Wiedererweckung früherer Zustände immer noch nicht geschwunden ist. Politisch sind sie konservativ und liberal zugleich. Je nach den Versprechungen, die ihnen gemacht werden, kehren sie einmal den Erzreaktionär und ein anderes Mal womöglich den Revolutionär heraus. Mit Reförmchen muß der Staat sie bei der Regierungsstange halten, denn sie sind bei Wahlen seine Prätorianergarde gegen die Arbeiter.

Aus solchem Milieu geht die staatliche Bürokratie, geht die Werkbürokratie (technische und kaufmännische Angestellte) hervor.

Die Schule gibt ihnen den ersten Drill. Unteroffiziersgesinnung, Ueberhebung, Servilität nach oben, Brutalität nach unten, Leutnantallüren bestimmen ihren Charakter. Nur Wenige ringen sich zur inneren Freiheit durch, nur Wenige verstehen es, mit den Arbeitern freimütig zu verkehren, nur Wenige sind dem Solidaritätsgefühl mit den Arbeitern zugänglich. Es sind Halbgebildete, deren Charakterbildung auf Kosten der Berufsbildung vernachlässig wurde. Sie sind für den Ausbeuter, für den Staat wie ein „gefundenes Fressen“. Ihre Gesinnung kaufen, kostet nicht gar so viel.

Der Lohnunterschied mit den Arbeitern ist jetzt vielfach zuungunsten der „Beamten“ ausgeschlagen. Sie werden durch mehr psychologisch wirkende Mittel von den Arbeitern abgesondert. Man räumt ihnen ein nachgemachtes Herrenrecht ein. Das Gesetz zieht eine Scheidelinie. Sie haben ein besonderes Beamten- und Angestelltenrecht. Sie werden als staatliche Bürokraten auf Lebenszeit mit der Aussicht auf gute Pensionen angestellt. Die Werkbürokratie darf erst nach vorhergegangener Kündigung entlassenen werden. Bei Krankheit haben sie nebst Krankengeld während sechs Wochen Gehalt zu beanspruchen. Feiertage erhalten sie bezahlt. Ferien, Weihnachtsgratifikationen sind besondere Vergünstigungen.

Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß das Beamtentum der Gegenwart nicht für Solidarität mit den Arbeitern zu haben ist. Sie wollen auf sich das Wort Arbeiter nur bildlich angewendet wissen. Sie sind im innersten Mark gegenrevolutionär und stellen sich jeder Herrschaftsgewalt über die Arbeiter zur Verfügung.

Damit muß die Arbeiterklasse rechnen. Es ist nicht fortzudisputieren, daß dieser sogenannte neue Mittelstand ein gefährliches gegenrevolutionäres Element ist.

Aber die Arbeiter haben die Macht, die vom Gesetz im Interesse des Kapitals künstlich errichteten Schranken niederzureißen. Sie müssen als Lohnarbeiter dieselben wirtschaftlichen Vergünstigungen fordern und durchführen, die den Angestellten und Beamten gewährt werden. Gleiche Arbeitszeit, gleiche Ferien, gleiche Entlohnung bei Krankheit, gleiches Ruheeinkommen im Alter! Und gleiche Entlohnung mit den vermeintlich Hohen und Höchsten!

Ich sehe manchen Arbeiter beim Lesen der letzten Forderung den Kopf schütteln.

Der Direktor, der Professor, der Minister sollen nicht besser bezahlt werden als der Straßenkehrer! Nein, das sollen sie nicht! Und zumal nicht in der Jetztzeit, wo nur soviel Lebens- und Unterhaltsmittel vorhanden sind, daß jeder auch nicht den notwendigsten Anteil abbekommen kann. Die sozialdemokratischen und bürgerlichen Regierungsstrategen wollen uns doch aufreden, wir sind nun ein Volk, vereint in Not und Tod. Wenn es allen Regierenden ernst wäre mit dem „Durchhalten“, das sie immer noch den Arbeitern vorpredigen, dann müßten sie ehrlicherweise auf jede höhere Entlohnung verzichten. Gerade die gegenwärtige Lebensmittelknappheit, die in Deutschland noch Jahre andauern wird, schreit nach dem Einheitslohn. Das wäre der erste Schritt zu einer wirklich sozialen Gerechtigkeit, einer Sozialisierung, für die das zusammengebrochene Wirtschaftssystem ganz zweifellos reif ist.

Wenn es leider noch Arbeiter gibt, die über solche „vermessene“ Forderung staunen, dann liegt das nicht an der Forderung, sondern an den Arbeitern. Die tausendjährige Sklavenarbeit hat in den Arbeiterhirnen eine Unterwürfigkeit und Selbstentsagung vererbt, mit der die Revolution aufräumen muß. Wir haben uns als gleichberechtigt mit jedermann zu betrachten. Jedem frei in die Augen sehen, niemanden gewolltes Unrecht zufügen, aber auch jedes uns zugefügte Unrecht abwehren, nichts für sich beanspruchen, was die der Gesellschaft geleistete Arbeit nicht hergeben kann, aber auch auf nichts verzichten, was sie geben kann. Das ist das Alfa und Omega aller sozialen Gleichberechtigung. Und für die Herbeiführung dieser Gleichberechtigung ist der „Einheitslohn“ eine unabweisbare Notwendigkeit.

Die Revolution wirft Probleme auf, an die vorher nur Wenige gedacht haben und verlangt gebieterisch deren Lösung. Manchen Arbeitern ist der Einheitslohn noch gar nicht einmal ein angenehmes Problem, denn sie fürchten, dabei könnten sie für sich zu kurz kommen. Vielleicht sind sie „gelernte“ Arbeiter, vielleicht fühlen sie sich fähig, tüchtig, geschickt und stark. Das sind selbstsüchtige Phrasen, mit denen der Kapitalismus die Arbeitersolidarität jahrhundertelang zerrissen hat! Der Unternehmer bezahlt gar nicht den Tüchtigen und Geschickteren besser! Er bezahlt ihm nicht den Wert seiner Mehrleistung! Er gibt ihm nur einige Groschen mehr, um den Neid der anderen scharf zu halten und den Bevorzugten zur Ueberhebung zu verleiten. Welcher Arbeiter sich dadurch ködern läßt, der denkt und handelt unsozialistisch. Sozialismus bedeutet die Arbeitsleistung des einen für alle und die aller für einen. Eine besondere Bevorzugung des einen vor dem anderen schließt der Sozialismus aus. Sozialismus gebietet jedem die Pflicht, nach bestem Können für die Allgemeinheit zu wirken und zu streben und gewährt jedem die gleichen Rechte – auch am Lebensunterhalt, auch an den Kulturgenüssen. Sollte der Geschickte und der Fähigere Sonderrechte erhalten, dann wäre der Sozialismus unmöglich.

Aber noch haben wir den Sozialismus nicht. Wir wollen erst „sozialisieren“. Das heißt: die Produktionsmittel aus dem Privatbesitz in den Besitz der Allgemeinheit überführen und sie den Arbeitern nur zur treuen Verwaltung und Verwertung für die Allgemeinheit übergeben. Wir müssen erst Ausbeutung und Unterdrückung beseitigen, um eine natürliche Weltordnung aufbauen zu können. Und das Wichtigste, um alles dieses Große und Weltbewegende in die Wege leiten zu können, ist, daß wir die antisozialistischen Arbeiterschädel sozialisieren. Welches Mittel wäre dafür handgreiflicher, aufdringlicher, als der Einheitslohn!

Ein Teil der Arbeiterschaft hält die Klassenlöhne für selbstverständlich, für unabänderlich. Vor allem soll der zunftgemäß gelernte Arbeiter einen größeren Anspruch auf Entlohnung haben, als der „Ungelernte“. Solche Unterscheidung ist der Arbeiterschaft von den Kapitalisten und deren Nutznießern und Zuhältern aufsuggeriert worden. Die gelernten Arbeiter sollten hypnotisiert werden mit der fixen Idee, sie seien etwas Besseres, seien vollwertiger und würden dementsprechend auch besser entlohnt. Das ist eine blanke Unwahrheit, denn der Kapitalismus bezahlt die Arbeitskraft immer so billig wie möglich und pfeift auf Zunft und Lehrberuf. Im Gegenteil: Die Lehrzeit ist für den jugendlichen Arbeiter die zeit seiner schlimmsten Sklavenschmach. Wenn die Bürgersöhne noch spielen, tollen und sich austoben, in der zeit vom 14. Bis 18. Lebensjahre, dann ist der jugendliche Arbeiter in die Fesseln des Lehrvertrages gelegt. Schamlos wird seine noch in der Entwicklung befindliche Kraft für Privatzwecke ausgebeutet, und oft muß er dabei hungern und wird geschlagen. Daß er im Berufe ein tüchtiger Mensch wird, darum kümmert sich ja niemand. Dem Unternehmer ist er Ausbeutungsobjekt, dem erwachsenen Mitarbeiter ist er ein heranwachsender Konkurrent. Die eigentliche Lehrzeit beginnt auch für ihn erst dann, wenn er seine Arbeitskraft als Ware auf den Markt bringt und selbständig den Kampf ums Dasein aufnehmen muß. Und in den verhältnismäßig seltenen Fällen, wo der Ausgelernte tüchtig in seinem Berufe wurde, da hat er kein Anrecht auf besondere Bevorzugung. Denn, dass er in die Lehre kam, war nicht sein persönliches Verdienst: er dankt es seinen Eltern oder Erziehern. Da höre ich den tausendfachen Einwurf: „Ja, dann wird niemand mehr seine Kinder lernen lassen, dann bleiben alle Fähigkeiten unentwickelt, dann geht die Ergiebigkeit der Arbeit zurück und damit wäre der Sozialismus abgetan.“ Gemach! Die Ergiebigkeit der kapitalistischen Arbeit ist verhältnismäßig beschränkt, weil nicht der allgemeine Nutzen, sondern das Profitinteresse des Besitzenden entscheidet. Und der Kapitalismus hat auch nur ein beschränktes Interesse an der Entfaltung aller produktiven Fähigkeiten der Jugend. Der Staat hat deren Fortentwicklung mehr gehindert denn gefördert. Was der Sozialismus leisten wird, wenn alle Kräfte des Menschen natürlich entwickelt und alle Menschen produktiv tätig sein werden, davon können wir heute nur erst träumen.

Die Heranbildung der Jugend zum Nutzen der Allgemeinheit ist nicht Sache der Familie, sondern des Gemeinwesens: der Kommune. Das Erziehungsziel der Schule muß sein, die harmonische Entfaltung aller physischen und geistigen Kräfte, denn in der sozialistischen Kommune muß jedermann möglichst Kopf- und Handarbeiter zugleich sein. Fachschulen für besondere Befähigung, Arbeitsschulen für geistig Zurückgebliebene, kommunalisierte Betriebe für Berufsausbildung schließen sich der Einheitsschule an. Wer durch die Mittel der Allgemeinheit befähigt ist, besondere Funktionen ausüben zu können, darf darum keine besondere Entlohnung fordern. Welchen Schritt wir auch in den Sozialismus hineinwagen, der Einheitslohn verläßt uns nicht. Der Einheitslohn ist Sozialisierung und Sozialismus zugleich.

Die Unterscheidung zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern ist auch in der kapitalistischen Produktionsweise eine rein willkürliche. In unserer zeit der Maschine, des mechanischen Werkzeuges gibt es kaum noch ungelernte Arbeiter. Im allgemeinen hat die technische Entwicklung dem „gelernten“ Arbeiter seine Vorrechte genommen und hat den „ungelernten“ auf gleiches Wertmaß gebracht. Der junge Arbeiter, der mit 14 Jahren sich selbst überlassen und auf den Arbeitsmarkt geworfen wird, muß nicht auch er l e r n e n ! Er kommt aus einem beruf in den anderen und lernt sogar mehr wie während einer formellen Lehrzeit. Wir erleben es ja, dass sich die Arbeiter großer Berufe dieser „Eindringlinge“ durch Klassenlöhne zu erwehren suchen. Ein unsolidarisches, unsozialistisches Beginnen!

Betrachten wir die notwendige und natürliche Arbeitsleistung: Die Landarbeit. Der moderne Pflug, die Drillmaschine, die Mähmaschine, die Dreschmaschine machen nicht nur die Arbeitsleistung produktiver, sie heben auch die Fertigkeiten des Landarbeiters zum Teil auf. Heute gibt es auf dem Lande nicht mehr viele Arbeiter, die mit der Hand säen und mit dem Flegel dreschen können. Man kann aber darum noch nicht jeden Unerfahrenen an die landwirtschaftlichen Maschinen zur Arbeit stellen. Die Bedienung jeder Maschine erfordert eine gewisse Verstandesbildung und eine Summe persönlicher Erfahrung. Es will eben a l l e s gelernt sein. Und vollends die Ackerkrume! Sie ist wie ein lebendiger Organismus; sie will gehegt und gewartet werden wie ein heranwachsendes Kind, soll sie gute Früchte tragen. Dasselbe gilt für die Pflege der Haustiere. Sonach hat der gewerbliche und Industriearbeiter keine Bevorrechtigung vor dem Landarbeiter. Der Einheitslohn macht nicht halt vor bunten Wiesen und fruchtbaren Feldern.

In den gewerblichen und Industriebetrieben find die Klassenlöhne vollends widersinnig und den Unternehmern nur ein allerdings wirksames Mittel, den Neid der Arbeiter gegeneinander immer wieder zu beleben, sie gegeneinander zu hetzen. Die Solidarität zu untergraben, die Organisationen zu schädigen. Hier ist jeder Arbeiter „gelernt“, denn Leute ohne Erfahrung und Kenntnisse der betreffenden Branche werden höchst ungern und nur in Zeiten großer Arbeiterknappheit eingestellt. Und diese Knappheit ist fast nie vorhanden. Gerade die in den Industrien angewendete hochentwickelte Technik hat ja Millionen Arbeitern ihre erlernte Handfertigkeit nutzlos gemacht, hat sie für immer der Möglichkeit beraubt, eine selbständige Wirtschaftsexistenz begründen zu können. Die Arbeiter eines Berufs, eines Betriebes haben alle dieselben Lebensgewohnheiten, dieselben Bedürfnisse. Also müssen sie auch den Einheitslohn erhalten. Natürlich einen Einheitslohn, wie ihn sich die Herren Unternehmer und Bürokraten wünschen würden, müßten sie produktive Arbeit verrichten. Der Einheitslohn macht alle gleich „a r m“. Gut, d i e Wirkung soll er auch haben, denn „reich“ und „arm“ sind ja die materiellen Resultate der Ausbeutung und Unterdrückung. Wir Armen haben doch kein Interesse daran, dass die Reichen auf unsere Kosten immer reicher werden. Der Einheitslohn soll so bemessen werden, dass alle nützlich Tätigen, Kranken und Arbeitslosen den gleichen Anteil an den vorhandenen Gebrauchsgütern haben können. Das wird dann wirtschaftliche Gleichheit sein.

Die Gesellschaft begeht ein barbarisches Verbrechen an den erkrankten und unfähig gewordenen Arbeitern, wenn sie ihnen nur einige Mark Krankengeld, Invaliden- oder Altersrente gewährt. Kranke Menschen brauchen doch sogar mehr, denn Gesunde. Alte und Invaliden haben sich für den allgemeinen Wohlstand geopfert – der Staat mit der sozialen Krone zahlt ihnen auch heute noch nicht durchschnittlich eine Mark den Tag!

Arbeitslosigkeit ist immer eine Folgeerscheinung verkehrter sozialer Organisation. Der einzelne ist dafür nicht verantwortlich zu machen. Darum: Den Einheitslohn für alle!

Doch da steigt noch ein sehr wichtig scheinender Einwand gegen den Einheitslohn auf: Man sagt, bei gleichem Lohne werden alle Arbeiter gleich faul sein. Wieder wird das Sinken der Produktivität, die Unmöglichkeit der Sozialisierung als Folge herangeholt.

Wir beobachten dabei, daß die große Mehrheit der Widersacher gegen den Einheitslohn, die mit der drohenden Faulheit anderer heranrücken, aus Leuten besteht, denen es nie in den Sinn gekommen ist, die gesellschaftlichen Funktionen und Nöte des werktätigen Arbeiters zu übernehmen. Es sind die Kapitalisten und Unternehmer selbst, es sind deren Zuhälter: Die Bürokratie, die Politiker, die Presse, die Pfaffen, die Kaufleute und Händler. Kurz: es sind alle diejenigen, die an der Arbeitsleistung des Proleten herumschmarotzen. Ihnen wird allerdings die Faulheit der Arbeiterschaft zum Verhängnis werden. Der Einheitslohn ist ja eine sozialistische Maßregel, die sozialisierend wirkt. Und darum das Geschrei der gegenrevolutionären Unken. Faulheit! Was ist denn Faulheit? Faulheit ist eine Krankheit. Der an Leib und Seele Gesunde, der richtig Ernährte ist nicht faul. Arbeit ist ja nicht nur eine natürliche Notwendigkeit, sondern als solche auch ein inneres Bedürfnis beim Menschen. Aber was ist das für eine Arbeit, die vorwärtsgepeitscht werden muß durch Klassenlöhne, durch Akkordtreiberei, durch Taylorquälerei, durch Meister und Werkführer als Antreiber? Nun, das ist Sklavenarbeit. Und dazu soll die Arbeiterschaft nun endlich einmal und für immer faul sein.

Im gegenwärtigen Stadium der Revolution (Ostern 1919) ist die Faulheit der Arbeiterschaft passive Resistenz, direkte Aktion, unmittelbare Klassenkampfhandlung. Sie wird die Söldnertruppen Noskes überwinden, sie wird die Phrasenmühle in Weimar zum Stillstehen bringen, sie wird die widerstrebenden Arbeiterführer „reif“ machen, daß sie mit der Sozialisierung beginnen. Ich sage den Drückebergern des Sozialismus: schafft freie Arbeit und menschenwürdige Arbeitsmethoden und niemand wird mehr faul zur Arbeit sein!

Und nun zum Schluß: Die Arbeiter hatten und haben Klassenorganisationen, die ihnen nichts nützen und die der sozialen Revolution zum stärksten Hindernis geworden sind. Das ist die Sozialdemokratie, das sind die zentralen Gewerkschaften. Die Arbeiter dürfen nur eine Organisation haben. Das muß die Gewerkschaft sein. Und die Gewerkschaft muß revolutionär sein. Die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung, deren internationale Bezeichnung Syndikalismus lautet, ist die natürliche Klassenorganisation der Lohnarbeiterschaft. Diese Organisationen dürfen nicht von zentralen Gewalthabern geleitet werden, sondern müssen lose, nur für den Zweck der Solidaritätsbezeugung föderiert sein. Der Wille der Arbeitermassen muß in ihnen herrschen. Diese Organisationen werden die Reste des Kapitalismus und seinen Staat wegfegen. Nur sie können den Einheitslohn und den Sozialismus erkämpfen. •

Archiv Karl Roche – Dokument # 2